Handchirurgie

Die Operationen an der Hand stellen hohe Anforderungen an den Operateur und sein Team. Die Strukturen sind sehr klein und bedürfen einer spezifischen Vorsicht und Übersicht des Chirurgen. Eine spezielle Ausbildung in der Handchirurgie ist ebenso notwendig, wie eine Schulung in der Mikrochirurgie und das routinierte Umgehen mit mikroskopischen Operieren.

1. KTS, Karpaltunnelsyndrom, Nerveneinengung des Nervus Medianus

Die Freilegung des Nervus Medianus (mittlerer Handnerv) ist eine der häufigsten und
wichtigsten Operationen der Hand. Dabei wird der Nerv beugeseitig im Bereich des
Handballen von der Einengung befreit. Wir operieren das generell unter
Vergrößerungs mit lokaler Betäubung über einen minimalinvasiven Schnitt.
Vor der Operation ist eine neurologische Kontrolle zum Beweis der Einengung notwendig.
Erste Symptome können Kribbeln in den Fingern (besonders Nachts) und Kraftverlust sein.
(z.B. den Verschluss nicht mehr aufdrehen können).
Nach der Operation wird für eine Woche eine Gipsschiene angelegt.
Bei dem Verzicht auf die notwendige Operation droht ein dauerhafter Gefühlsverlust und
Kraftverlust an der Hand mit erheblichen Funktionseinschränkungen.

2. Ulnarisrinnensyndrom, Einengung des Nervus Ulnaris am Ellbogen

Hierbei handelt es sich um eine Einengung des ellenseitigen Nerven im Bereich der
Führungsrinne am Ellbogen streckseitig. Die Gefühlsstörungen sind am kleinen Finger und
halbseitig am Ringfinger und müssen durch den Neurologen bewiesen werden. Die Operation erfolgt entweder mit einem kurzen Schnitt oder endoskopisch. Als Betäubung bietet sich eine Lokalanästhesie oder Arm-Plexus-Anästhesie (gesamter Arm) an. Bei der Operation wird der Nerv freigelegt und die Verengung Entfernt, ggf. zusätzlich eine Verlagerung mit Neueinbettung des Nervus ulnaris. Nach der Operation erfolgt eine zweiwöchige Gipsbehandlung.

3. „sonstige“ Nervenschäden

Neben dem Karpaltunnelsyndrom und dem Ulnarisrinnensyndrom gibt es noch mehrere
mögliche Engstellen der Nerven am Arm und an der Hand. Dafür wird jeweils eine gezielte
Untersuchung und neurologische Diagnostik durchgeführt, erst dann empfehlen wir die
Operation an der entsprechenden Stelle.
Bei Verletzung eines Nerven ist eine zeitnahe Operation durch den Handchirurgen unter
mikrochirurgischer Vorgehensweise dringend notwendig. Dabei muss der Nerv anatomisch
genau zusammengefügt und vernäht werden mit Hilfe einer starken Vergrößerung. Bis zum
Wiedererhalt der vollen Funktion können Monate vergehen.

4. Erkrankungen der Sehnen

Oft besteht ein schmerzhafter Funktionsverlust an den Fingern oder der Hand. Ursache
können entzündliche Veränderungen an den Sehnen oder am Sehnengleitgewebe sein.
Zudem finden sich mit den Ringbändern („Umlenk-Rollen“ der Beugesehnen) natürliche
Engstellen an den Sehnen der Finger. Schmerzarmer Funktionsverlust deutet auf einen
unfallbedingten oder spontanen Riss einer Sehne hin.

4.1. Schnappfinger, TVS

Das Phänomen des Schnappfingers entsteht am ersten Ringband (Umlenkrolle für die
Beugesehnen) im Bereich der Beugefalte der Fingergrundgelenke. Eine Verdickung an der
Sehne gleitet dann nicht richtig durch die Engstelle.
Die Operation erfolgt in lokaler Betäubung als ambulante Operation. Dabei wird über einen
sehr kurzen Schnitt das Ringband aufgetrennt und die Beugesehne von Verklebungen und
Verdickungen befreit.

4.2. TVS de Quervain

Dieser Name steht für eine Entzündung und Verklebung im ersten Strecksehnenfach.
Betroffen sind die Strecksehnen des Daumen. Beschwerden bestehen häufig über dem
Handgelenk speichenseitig, besonders bei Streckung des Daumen.
Die Versorgung erfolgt ambulant in lokaler Betäubung. Über einen kurzen Schnitt wird die
Sehnenscheide, die oft noch unterteilt ist, aufgetrennt, die Sehnen isoliert, das entzündliche Gewebe und die Verklebungen werden entfernt.

4.3. Synovialitis

Das ist die klassische Sehnenscheiden-Entzündung. Es kann jede Sehne betreffen. Nur bei
Versagen der konservativen Therapie ist eine Operation nötig. Dann ist in dem betroffenen
Bereich eine gezielte Freilegung der Sehne mit Entfernung des entzündlichen Gewebes nötig.

4.4. Sehnenverletzungen

Eine Sehnendurchtrennung erfolgt meistens durch eine Verletzung. Einige Stoffwechsel-
Erkrankungen (z.B. Gicht) und auch häufige Kortisonspritzen könne allerdings auch zu einem spontanen Riss einer Sehne führen. Die operative Versorgung sollte zeitnah erfolgen. Bei alter Verletzung ist ggf. eine plastische Operation mit Sehnenverlagerung oder Sehnenersatz notwendig. Nach der Versorgung ist eine längere Nachbehandlung mit
teilweiser Ruhigstellung und Entlastung der operierten Sehne (Kleinert-Schiene) notwendig.

5. Dupuytrensche Kontraktur, Vernarbung der Hohlhandfaszie

Diese Vernarbung und derbe Wulstung in der Hohlhand und manchmal auch der Finger, ist
eine Veränderung an der Bindegewebsplatte der Hohlhand und hat keinen Zusammenhang mit den Sehnen der Finger. Im Verlauf der Erkrankung kommt es zur zunehmenden Verkrümmung der Finger und Einschränkungen der Funktion. Bei Beschwerden beim Greifen,Schmerzen oder beginnender Streckhemmung von Fingern, ist eine frühzeitige Beurteilung durch den Handchirurgen notwendig.
Die Operation erfolgt meistens ambulant mit einem Handblock (vollständige Betäubung der
Hand) oder einer axillären Plexusanästhesie (Betäubung des gesamten Armes). Um so weiter fortgeschritten das Krankheitsbild ist, desto schwieriger ist die Operation. Der narbige Strang muss von der Haut und von Nerven und Gefäßen abgelöst und entfernt werden. Die mikrochirurgische Ausbildung und Erfahrung ist notwendig. Der Schnitt ist länger, er erfolgt entlang vorbestehender Hautlinien. Die Wundheilung in der Hand ist allerdings gut und komplikationsarm. Anschließend erfolgt selten eine kurzzeitige Gipsbehandlung.

6. Ganglien und andere Geschwulste (Tumore)

Ganglien sind gutartige Tumore (Geschwulste), meistens mit gallert-artig eingedickter
Flüssigkeit gefüllten Blasen. Ursache sind Entzündungen mit vermehrter Flüssigkeitsbildung, ausgehend von Sehnen, Gelenken oder Knochen. Sie können unterschiedliche Formen annehmen und sehr groß werden, was aber keinen Rückschluss auf die Beschwerden gibt.
Vor der Operation sollte der Ursprung des Ganglions diagnostisch geklärt werden um dann
bei der Operation in lokaler Betäubung gezielt vorgehen zu können. Das Vorgehen bei anderen Tumoren ist ähnlich. Nach der Entfernung ist eine Kontrolle des Tumors durch den
Pathologen notwendig.

7. Arthrose der Gelenke an der Hand

Generell kann jedes Gelenk an der Hand von einer Arthrose (Knorpelverschleiß) betroffen
sein. Die Ursachen sind vielfältig, nur selten besteht ein direkter Zusammenhang zwischen
einer besonderen Belastung und der Gelenkveränderung. Am Häufigsten ist das
Daumensattelgelenk und Anteile des Handgelenkes (mit der Handwurzel) betroffen. Nach
Verletzungen besteht ein erhöhtes Risiko, besonders nach unerkannten Bandverletzungen.
Die Arthrose der Fingergelenke (Heberden-Arthrose und Bouchard-Arthrose) entsteht in der Regel durch eine genetische Veranlagung, Rheuma oder Stoffwechselerkrankungen.

7.1. Daumensattelgelenk – Resektionsarthroplastik

Diese Form der Arthrose nennt sich Rhizarthrose. Im fortgeschrittenen Stadium bestehen
starke Schmerzen bei jeder Greifbewegung. Bei unzureichendem Erfolg der konservativen
Therapie mit Orthese (stabilisierende Bandage), Schmerzmedikation und ggf. Injektionen ist die Operation zu erwägen. Die Versorgung ist aufwendig, die Beschwerdeverbesserung
dauert oft 3-6 Monate.
Es erfolgt ein kurzer stationärer Aufenthalt, meistens eine Arm-Plexus-Anästhesie (komplette Betäubung des Armes). Bei der Operation wird der betroffene Handwurzelknochen, das große Vieleckbein (Os trapezium) vollständig entfernt. Um ein Herunterrutschen des ersten Mittelhandknochen zu verhindern, wird dieser mit einem abgekoppelten Sehnenanteil in seiner Position fixiert. Anschließend ist eine längere Gipsbehandlung und danach eine funktionelle Nachbehandlung oder Rehabilitation notwendig. Später ist eine gute schmerzarme Funktion zu erwarten, allerdings ist die Kraftentfaltung oft etwas eingeschränkt.

7.2. Arthrodese / Versteifungsoperationen

Die Arthodese ist eine Versteifung eines oder mehrerer Gelenke. Allerdings sind die
schmerzhaften Gelenke meistens schon zuvor sehr stark bewegungsgemindert, sodass eine Arthrodese keine zusätzliche Einschränkung hervorruft.
Bei der Operation wird zunächst der Rest des Gelenkknorpels des betroffenen Gelenkes
entfernt. Danach werden die beiden Gelenkanteile passgenau zusammengefügt. Etwaige
Lücken werden mit körpereigenem Knochenmaterial aufgefüllt (Entnahme aus dem
Beckenkamm oder der Speiche). Abschließend wird das gute Resultat mit speziellen
Metallplatten und Schrauben stabilisiert (diese müssen später nicht entfernt werden).
Nach der knöchernen Überbauung ist eine schmerzarme gute Kraftentfaltung zu erwarten.
Am Häufigsten werden Anteile vom Handgelenk und der Handwurzel versteift.

7.3. Denervierung / selektive Nervenunterbindung

Die selektive Durchtrennung der Nerven, die zu dem schmerzenden Gelenk führten,
vermindert nur die Schmerzen. Das Ausmaß der Schmerzreduktion kann nicht exakt
vorhergesagt werden. Die Gesamtsituation des betroffenen, oft arthrotischen, Gelenkes
verändert sich ansonsten nicht. Bei der Operation werden die zum Gelenk führenden Nerven aufgesucht und gezielt durchtrennt. Am Häufigsten wird diese Operation am Handgelenk durchgeführt.

7.4. Gelenkersatz

Grundsätzlich sollte die Endoprothesen-Versorgung an der Hand nur bei einer schmerzhaften Arthrose bei guter Beweglichkeit in Erwägung gezogen werden. Es gibt verschiedene Systeme, neben einer zweiteiligen Prothese (klassische Prothesenform) auch eine einteilige Silikon-Prothese (Swanson-Prothese) und eine Platzhalter-Prothese. Die Indikation und Entscheidung ist immer individuell zu besprechen.

8. Verletzungen der Hand

Die Verletzungen der Hand können sehr unterschiedlich und sehr komplex aussehen. Nach einer zügigen kompletten Diagnostik ist eine zeitnahe Versorgung erforderlich. Die
Erfahrungen des Handchirurgen in der Versorgung von Gefäßen, Nerven, Knochen, Gelenken und der Haut sind umfassend gefordert. Ziel ist insbesondere eine möglichst gute Funktion zu erhalten, erst in zweiter Linie die Ästhetik (kann auch später noch korrigiert werden).
Wichtig ist der Erhalt der Stabilität (Knochen), Durchblutung (Gefäße), Funktion (Sehnen),
Beweglichkeit (Gelenke), Gefühl (Nerven) und der Haut. Die Versorgung kann sehr aufwendig und zeitintensiv sein, oft sind mehrere Operationen notwendig.

9. Epicondylitis

Synonyme Bezeichnungen sind Tennis-Ellbogen, Golfer-Ellbogen, Maus-Ellbogen. Es handelt sich um eine entzündliche Reizsituation am inneren oder äußeren Höcker des Ellbogen, oft im Sinne einer Reizung der Sehnenansätze in diesem Bereich. Die Beschwerden sind meistens belastungsabhängig und sehr hartnäckig. Eine Operation ist nur nach erfolgloser konservativer (nichtoperativ, z.B. Ultraschall-Stoßwelle) Therapie notwendig. Dabei werden in lokaler Betäubung über einen kurzen Schnitt die Sehnenansätze eingekerbt und die feinen sensiblen Nervenfasern durchtrennt. Eine Gipsbehandlung von 2 Wochen schließt sich an.